Warum ein Update oft besser ist als löschen und wie Redakteurinnen und Redakteure wieder Relevanz schaffen
Viele Websites wachsen über Jahre. Neue Seiten kommen dazu. Alte bleiben stehen, weil sie ja mal sinnvoll waren. Das ist normal. Das Problem beginnt, wenn diese Inhalte nicht mehr gepflegt werden, aber weiterhin gefunden werden. Wer auf einer veralteten Seite landet, denkt selten „ach, das ist bestimmt ein alter Artikel“. Er denkt eher „die sind wohl nicht mehr up to date“.
Warum Löschen fast nie die beste Idee ist
Der Impuls ist oft radikal. Weg damit. Aber ältere Inhalte haben häufig einen Wert, den man nicht sofort sieht.
- Sie ranken bereits bei Google.
- Sie haben Backlinks von anderen Seiten.
- Sie ziehen regelmäßig Besucher an, auch wenn es nur wenige sind.
- Sie sind oft Einstiegspunkte in die Website.
Wenn man solche Seiten löscht, verschwindet nicht nur Text. Es verschwindet auch die Sichtbarkeit. Und oft entstehen zusätzlich 404 Fehler, die Nutzer und Suchmaschinen nerven.
Für den Frühjahrsputz gilt deshalb: Nicht fragen, ob ein Inhalt alt ist, sondern ob er noch korrekt, hilfreich und passend ist.
Aktualisieren statt neu schreiben. Der redaktionelle Hebel
Für Redakteurinnen und Redakteure ist Aktualisieren ein echter Vorteil. Denn ein Update fühlt sich überschaubar an. Und es wirkt oft stärker als ein komplett neuer Artikel, der erst mal keine Sichtbarkeit hat.
Typische Ansatzpunkte für ein Update:
- Jahreszahlen und Zeitbezüge entfernen oder anpassen.
- Beispiele modernisieren und näher an den Alltag der Zielgruppe bringen.
- Überschriften schärfen, damit sie dem Nutzen sofort verständlich sind.
- Absätze überarbeiten und mit Zwischenüberschriften strukturieren.
- Interne Links ergänzen, damit Lesende weitergeführt werden.
- Veraltete Begriffe ersetzen, die mal üblich waren, heute aber nicht mehr genutzt werden.
Ein weiterer Punkt, den viele vergessen: Inhalte verändern sich oft nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich. Es geht um Tonalität, Ansprache und Wording. Wenn eine Website über die Jahre gewachsen ist, klingt sie manchmal wie drei verschiedene Unternehmen. Ein Update ist eine gute Gelegenheit, Sprache zu vereinheitlichen.
Inhalte, die nicht gelesen werden. Nicht immer liegt es am Thema
Manchmal ist der Inhalt gut. Aber er wird trotzdem ignoriert. Dann lohnt sich ein Blick auf die Verpackung.
- Ist der Einstieg zu lang?
- Kommt der Nutzen erst nach fünf Absätzen?
- Wirkt die Seite wie ein unübersichtlicher Textblock?
- Sind die wichtigsten Infos schnell scanbar?
Redakteurinnen und Redakteure können hier mit kleinen Mitteln viel ändern: Ein klarer Einstieg, ein kurzer Absatz, eine Liste, ein Zwischenfazit, ein prägnanter Call to Action Button – oft steigt die Lesbarkeit sofort.
SEO Aspekt – bestehende Sichtbarkeit nutzen statt neu starten
Ein Update ist auch aus SEO-Sicht spannend, weil es bestehende Signale nutzt. Sie haben schon Rankings, Klicks, vielleicht sogar externe Links. Genau das ist ein Vorteil gegenüber komplett neuen Inhalten.
Ein paar SEO-Checks, die sich beim Frühjahrsputz lohnen:
- Passt das Hauptkeyword noch zum Suchinteresse?
- Stimmt der Seitentitel und wirkt er klickstark?
- Ist die Meta Description aktuell und verständlich?
- Sind interne Links sinnvoll gesetzt?
- Gibt es doppelte Inhalte, die sich gegenseitig Konkurrenz machen?
- Sind Bilder sinnvoll benannt und mit Alt Texten versehen?
Gerade bei Artikeln, die früher gut liefen und heute schwächeln, ist ein Update oft der einfachste Weg, wieder nach vorn zu kommen.
Wann Löschen wirklich sinnvoll ist
Natürlich gibt es Fälle, in denen Löschen richtig ist. Zum Beispiel, wenn Inhalte fachlich falsch oder potenziell irreführend sind. Oder wenn Themen gar nicht mehr zur Ausrichtung passen.
Auch mehrere sehr ähnliche Seiten können ein Problem sein. Wenn fünf Seiten fast dasselbe sagen, weiß Google nicht, welche wichtig ist. Dann ist es oft besser, Inhalte zusammenzuführen und die schwächeren Seiten umzuleiten.
Wichtig dabei. Nie einfach entfernen. Wenn möglich, eine passende Alternative erstellen und per dauerhafter Weiterleitung (301) verbinden. So bleibt Sichtbarkeit erhalten und Nutzer landen nicht in einer Sackgasse.
Ein kleiner Redaktionscheck mit großer Wirkung
Wenn Sie viel redaktionell arbeiten, hilft ein fester Termin im Jahr. Ein kurzer Content Audit. Keine riesige Tabelle. Einfach ein strukturierter Blick auf die wichtigsten Inhalte.
Drei Fragen reichen als Start.
- Würde ich diesen Beitrag heute noch genau so veröffentlichen?
- Hilft dieser Inhalt einem echten Menschen wirklich weiter?
- Passt der Text noch zu Angebot, Sprache und Ziel der Website?
Der digitale Frühjahrsputz beginnt nicht mit dem Löschen – er beginnt mit dem Hinschauen. Und Redakteurinnen und Redakteure sind genau die Menschen, die aus alten Seiten wieder starke Seiten machen können.