Fraktale Wiederholung als Prinzip des Designs
Aus einer einzigen Grundform entsteht durch Wiederholung ein Muster. Benoît Mandelbrot nannte solche Formen Fraktale. Strukturen, bei denen das Ganze seinen Bestandteilen ähnelt. Genau das geschah als nächstes.
Die Dreiecksform wurde mit den dazugehörigen Quadraten auf den Katheten dreifach vergrößert und wiederholt – jedes neue Element wächst im gleichen Algorithmus. Dadurch entstand eine zweidimensionale Fläche, die auf den ersten Blick wie ein geometrisches Ornament wirkt, aber in Wirklichkeit ein mathematisches Wachstum beschreibt. Ein schönes Bild für Bildung: Jede neue Erkenntnis baut auf dem auf, was vorher da war.
Wie die Fläche zur Plastik wurde
Der vielleicht spannendste Schritt: Die Fläche wurde gefaltet. Denn erst durch diesen Schritt beginnt das Denkmal, seine räumliche Wirkung zu entfalten.
Die 2D-Fraktalfläche löst sich aus der Theorie und wird zum Körper. Aus einer Ebene wird ein 3D-Objekt. Aus der Mathematik wird eine Plastik. Die endgültige Form wirkt gleichzeitig streng geometrisch und organisch wachsend. Die Idee „bilden, wachsen, entfalten“ zeigt sich plötzlich ganz physisch.
Die Herstellung des Denkmals
Für das endgültige Denkmal fiel die Entscheidung auf Cortenstahl. Ein Material, das sich im Laufe der Zeit verändert und eine lebendige Patina entwickelt. Perfekt für ein Symbol, das für Lernen und Entwicklung steht.
Gefertigt wurde die Plastik von der Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede unter der Leitung von Pater Abraham Fischer OSB. Präzision, Gewicht, Balance, Montage. Jede Phase hatte ihre eigenen Herausforderungen. Jetzt steht das Objekt auf dem Warsteiner Marktplatz und verbindet Antike mit Gegenwart, mathematische Klarheit mit künstlerischer Freiheit und eine jahrhundertealte Formel mit einem aktuellen Anlass.
Ein Zeichen für den Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.
Die Bedeutung des Projekts geht über die reine Form hinaus. Ein Denkmal für die „höhere Schule“ ist ein Denkmal für die Bildung an sich. Gerade heute ist sie dringend notwendig, denn:
- Bildung lehrt uns, selbstständig zu denken
- Bildung hilft uns, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden.
- Bildung befähigt uns, uns eine eigene Meinung zu bilden und nicht nur auf diejenigen zu hören, die meinen, sie wüssten, was richtig und was falsch ist.
Der Satz des Pythagoras ist ein starkes Symbol dafür. Er ist eindeutig. Er ist überprüfbar. Er ist nicht verhandelbar. In einer Zeit, in der vermeintliche „alternative Fakten“ eine Rolle spielen, wirkt dieser Lehrsatz fast wie ein Anker.
Marie von Ebner-Eschenbach hat gesagt:
„Wer nichts weiß, muss alles glauben.“
Genau daran erinnert das Denkmal. Und genau darin liegt seine Kraft.