Denkmalentwicklung der Werbeagentur Mues + Schrewe GmbH zum Andenken an das Progymnasium der Stadt Warstein.

Wie ein Denkmal Bildung sichtbar machen kann 

Im Mai wurde auf dem Marktplatz in Warstein ein Denkmal eingeweiht, das an „150 Jahre Höhere Bildung“ in Warstein erinnert. Die Entwicklung der Plastik war eine Aufgabe, die selten an eine Kommunikationsagentur herangetragen wird und die sofort ihren Reiz hatte. Nicht nur wegen des Jubiläums. Sondern wegen der Frage: 

 

Wie lässt sich Bildung sichtbar machen? 

Bevor die mathematische Idee Form annahm, stand zuerst die Frage im Raum, was Bildung eigentlich sichtbar macht. Nicht als abstraktes Konzept, sondern als etwas, das sich greifen lässt. Bildung ist kein einzelner Moment. Sie wächst über Jahre, durch Menschen, Erfahrungen und Erkenntnisse. Genau dieses Unsichtbare sollte eine sichtbare Form bekommen. Etwas, das zeigt, wie Wissen entsteht, sich weiterentwickelt und neue Perspektiven öffnet. 

Bevor der Entwurf konkreter wurde, führte die Spur zurück zu einem der grundlegendsten Lehrsätze der Mathematik. Ausgerechnet eine Formel, die jede Schülerin und jeder Schüler aus dem Unterricht kennt, wurde  zum Ausgangspunkt des Projekts: a² + b² = c². Der Satz des Pythagoras. 

 

Warum Pythagoras und der Goldene Schnitt die Basis des Entwurfs wurden

Idee und Entwurf sind das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit von Robert Pasitka (Künstler), Torsten Cramer (Gestalter im Handwerk) und Bernd Schrewe (Designer).  

Ihre Idee war ebenso schlicht wie faszinierend. Ein rechtwinkliges Dreieck, dessen Seiten a und b nicht zufällig konstruiert sind, sondern im Verhältnis des Goldenen Schnitts stehen. 8 zu 5. Ein Maßverhältnis, das seit der Antike für Harmonie und Ausgewogenheit steht. 

Für unser Kreativteam war dieser Einstieg nicht nur mathematisch logisch, sondern auch aus gestalterischer Sicht vertraut. Der Goldene Schnitt spielt in der täglichen kreativen Arbeit immer wieder eine Rolle, sei es im Layout, in Bildaufbauten oder in der räumlichen Komposition. Er erzeugt eine natürliche Balance, die sofort spürbar ist.

Diese Dreiecksform bildet die Basis. Und sie bleibt durch den gesamten Prozess hindurch sichtbar. Selbst dann, wenn sich das Objekt längst in ein komplexes Gebilde verwandelt hat. 

 

Fraktale Wiederholung als Prinzip des Designs 

Aus einer einzigen Grundform entsteht durch Wiederholung ein Muster. Benoît Mandelbrot nannte solche Formen Fraktale. Strukturen, bei denen das Ganze seinen Bestandteilen ähnelt. Genau das geschah als nächstes. 

Die Dreiecksform wurde mit den dazugehörigen Quadraten auf den Katheten dreifach vergrößert und wiederholt – jedes neue Element wächst im gleichen Algorithmus. Dadurch entstand eine zweidimensionale Fläche, die auf den ersten Blick wie ein geometrisches Ornament wirkt, aber in Wirklichkeit ein mathematisches Wachstum beschreibt. Ein schönes Bild für Bildung: Jede neue Erkenntnis baut auf dem auf, was vorher da war. 

 

Wie die Fläche zur Plastik wurde 

Der vielleicht spannendste Schritt: Die Fläche wurde gefaltet. Denn erst durch diesen Schritt beginnt das Denkmal, seine räumliche Wirkung zu entfalten. 

Die 2D-Fraktalfläche löst sich aus der Theorie und wird zum Körper. Aus einer Ebene wird ein 3D-Objekt. Aus der Mathematik wird eine Plastik. Die endgültige Form wirkt gleichzeitig streng geometrisch und organisch wachsend. Die Idee „bilden, wachsen, entfalten“ zeigt sich plötzlich ganz physisch. 

 

Die Herstellung des Denkmals 

Für das endgültige Denkmal fiel die Entscheidung auf Cortenstahl. Ein Material, das sich im Laufe der Zeit verändert und eine lebendige Patina entwickelt. Perfekt für ein Symbol, das für Lernen und Entwicklung steht.

Gefertigt wurde die Plastik von der Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede unter der Leitung von Pater Abraham Fischer OSB. Präzision, Gewicht, Balance, Montage. Jede Phase hatte ihre eigenen Herausforderungen. Jetzt steht das Objekt auf dem Warsteiner Marktplatz und verbindet Antike mit Gegenwart, mathematische Klarheit mit künstlerischer Freiheit und eine jahrhundertealte Formel mit einem aktuellen Anlass.  

Ein Zeichen für den Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.

Die Bedeutung des Projekts geht über die reine Form hinaus. Ein Denkmal für die „höhere Schule“ ist ein Denkmal für die Bildung an sich. Gerade heute ist sie dringend notwendig, denn:

  • Bildung lehrt uns, selbstständig zu denken
  • Bildung hilft uns, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden.
  • Bildung befähigt uns, uns eine eigene Meinung zu bilden und nicht nur auf diejenigen zu hören, die meinen, sie wüssten, was richtig und was falsch ist. 

Der Satz des Pythagoras ist ein starkes Symbol dafür. Er ist eindeutig. Er ist überprüfbar. Er ist nicht verhandelbar. In einer Zeit, in der vermeintliche „alternative Fakten“ eine Rolle spielen, wirkt dieser Lehrsatz fast wie ein Anker.

 

Marie von Ebner-Eschenbach hat gesagt:

„Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ 

Genau daran erinnert das Denkmal. Und genau darin liegt seine Kraft. 

© Robert Pasitka

Warum das Denkmal die diesjährige Colours-Edition prägt 

Nachdem die Plastik im Mai eingeweiht wurde, war schnell klar, dass sie das Thema der diesjährigen Colours-Edition wird. Die Fraktale, die Konstruktionen, die Faltungen … all das hat sich perfekt in das visuelle Konzept übersetzen lassen.

Aus dem Denkmal wurde ein Print.

Aus der Plastik eine Illustration.

Aus einem öffentlichen Projekt eine gestalterische Edition. 

 

Der Abschluss eines besonderen Projekts 

Am Ende führt alles zusammen: die Idee, ein unsichtbares Prinzip sichtbar zu machen. Die mathematische Klarheit. Die gestalterische Übersetzung. Der Anspruch, etwas Bleibendes zu schaffen. Und die Freude daran, ein Projekt zu entwickeln, das sowohl im Stadtraum als auch im Print und Digitalen wirkt.

COLOURS 2025 ist damit einmal mehr etwas ganz Besonderes für uns.

 

© Katalin Pasitka

Häufig gestellte Fragen 

 

  • Was stellt das neue Denkmal auf dem Marktplatz in Warstein dar? 

Das Denkmal zeigt eine geometrische Form, die auf dem Satz des Pythagoras basiert und sich aus einer Fläche in den Raum entfaltet. Es visualisiert, wie Wissen wächst  und sich weiterentwickelt – ein bewusst gewähltes Symbol für 150 Jahre höhere Bildung in Warstein. 

 

  • Warum spielt der Satz des Pythagoras eine so zentrale Rolle? 

Pythagoras steht für Klarheit und Nachvollziehbarkeit. Die Formel a² + b² = c² ist eindeutig, überprüfbar und zeitlos. Genau diese Eigenschaften machen sie zur idealen Grundlage für ein Denkmal, das Bildung, Erkenntnis und Orientierung sichtbar machen soll. 

 

  • Welche Bedeutung hat der Goldene Schnitt im Entwurf? 

Die kürzeren Seiten des Dreiecks stehen im Verhältnis 8:5 – dem Goldenen Schnitt. Dieses Proportionsverhältnis erzeugt Harmonie und Balance und ist in der gestalterischen Arbeit der Agentur ebenso vertraut wie in Kunst, Architektur und Design. 

 

  • Weshalb wurde mit fraktalen Strukturen gearbeitet? 

Fraktale stehen für Wachstum durch Wiederholung. Die dreifache Vergrößerung der Grundform zeigt nachvollziehbar, wie komplexe Zusammenhänge aus einfachen Prinzipien entstehen. Ein starkes Bild dafür, wie sich Wissen Schicht für Schicht entfaltet. 

 

  • Wer hat die Plastik entworfen?

Idee und Entwurf sind das Ergebnis von intensiver Teamarbeit. Beteiligt waren Robert Pasitka (Künstler), Torsten Cramer (Gestalter im Handwerk) und Bernd Schrewe (Designer). 

 

  • Wie entstand die Plastik technisch und handwerklich? 

Die zweidimensionale Fraktalfläche wurde gefaltet und in Cortenstahl umgesetzt. Das Material verändert sich über die Zeit und passt damit zur Idee eines lebendigen Bildungsprozesses. Gefertigt wurde das Denkmal in der Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede unter der Leitung von Pater Abraham Fischer OSB. 

 

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